Einiges über den Bau unserer Pfarrkirche.

Von Ludwig Steinbach.

Ein Jubiläum eigener Art bildet das diesjährige Fest unserer Schutzpatronin St. Helena, jener großen Wohltäterin der Trierer Lande, mit deren Namen die Gemeinde Euren so eng verknüpft ist. Jährt sich doch zum fünfzigsten Male mit dem Fest dieser edlen Kaiserin der Tag der feierlichen Besitzergreifung unserer Pfarrkirche, jenes denkwürdige Ereignis, das die Pfarrkinder Eurens mit Freude und Begeisterung erfüllte. Ein Werk war unter der tatkräftigen Leitung des Hw. Pastors Bellinger seiner Vollendung entgegengegangen, das eine Zierde unserer Gemeinde geworden. Ein Monument ward der hl. Helena geweiht, das wahrlich des Schweißes der Edlen wert war. Freudig trugen unsere Väter ihr Scherflein zum Kirchenbau bei im stolzen Bewußtsein, ein Werk zu schaffen, das wohl geeignet sein könnte, bei den kommenden Geschlechtern den Gedanken aufsteigen zu lassen, den der Dichter in die Worte gekleidet:

"Die groß geschaut, die groß gebaut,
Sie ruhen in den Särgen;
Auf ihren Gräbern wandeln wir
Als ein Geschlecht von Zwergen."

Es dürfte sich deshalb verlohnen, einige Betrachtungen über dieses Werk anzustellen, dem allerdings erst nach vollständiger Ausschmückung der hochselige Bischof Michael Felix Korum durch die feierliche Konsekration am 8. April 1883 die Krone aufsetzte. Im Jahre 1870 tauchte zum ersten Male der Gedanke auf, an Stelle der alten Kirche eine neue zu erbauen. Doch mußte man die Verwirklichung dieses Planes verschieben, da der politische Himmel sich dunkel bewölkte und das Wort "Krieg" in die Lande hinausdonnerte. Erst nach Friedensschluß griff man im Frühjahr des Jahres 1871 den Gedanken des Kirchenbaues von neuem wieder auf. Als Baugelände ward zunächst Gemeindegelände zwischen der alten Schule und dem jetzigen Friedhofe, etwa der Raum, auf dem heute das Schulgebäude steht, auserwählt. Von diesem Plane wich man jedoch bald wieder ab und bestimmte endgültig als Baugelände den Platz, auf dem die alte Kirche stand, ein Bauplatz, der circa 5000 Quadratfuß umfaßte. Der von dem Trierer Architekten Wirtz entworfene Bauplan wurde mit Verfügung der Regierung vom 29.3.1873 genehmigt und bald darauf zur Submission ausgeschrieben. Die Angebote gingen aber so schwach ein, daß man sich genötigt sah, den Bau nach einer gewissen Zeitspanne von neuem auf dem Submissionswege auszubieten mit dem Ergebnis, daß der Kirchenbau dem Baumeister Mendgen am 10. November 1873 endgültig zum Preise von 38 000 Talern übertragen wurde. Nach der am 20. Januar 1874 erfolgten Genehmigung der Bauverdingungen wurde 8 Tage später mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen und die feierliche Grundsteinlegung durch den Stadtdechanten Adolf Schue vorgenommen. Von nah und fern waren viele Fremde herbeigereist, um dieser nicht alltäglichen Feier beizuwohnen. Auch hatten die Pfarreingesessenen alles daran gesetzt, die zum Bauplatz führenden Straßen mit Fahnen und Guirlanden festlich auszuschmücken. Der Bauplatz selbst trug reichen Schmuck. Die feierliche Grundsteinlegung fand nachmittags um 3 Uhr statt. Eine von dem Trierer Graveur Hilgenreiner angefertigte Dedikationstafel wurde in den Grundstein eingelegt, ferner, wie bei solchen Anlässen üblich, eine Anzahl zu damaliger Zeit kursierender Reichsmünzen, Steine von berühmten Stätten des heiligen Landes, Staub vom Grabe der unschuldigen Kindlein, ein Stück Wurzel eines alten Oelbaumes vom Oelberge. Ein Bericht über den Verlauf der Feier, Wortlaut der aus diesem Anlasse gehaltenen Festpredigt ward auf eine Pergamenturkunde niedergeschrieben, in eine Flasche eingeschlossen, versiegelt und gleichfalls in den Grundstein hineingesenkt. Die Bauleitung ward dem Kreisbaumeister Massing aus Trier übertragen. Beim Fundamentausgraben stieß man auf die Grundmauern einer großangelegten römischen Prachtvilla, die sich noch weit über den Bauplatz hinaus bis zu den benachbarten Häusern hin ausdehnten. Auch kamen gut erhaltene Mosaikböden zum Vorschein. Die feierliche Besitzergreifung der neuen Kirche fand am Patronatsfeste der hl. Helena am 27. August des Jahres 1876 statt unter großer Beteiligung von Leuten aus der Umgebung, vor allem aus Trier, die trotz des herrschenden stürmischen und regnerischen Wetters diese Feier nicht versäumen wollten. Das Hochamt zelebrierte der Stadtdechant Adolf Schue unter Assistenz der Herren Lehnen-Gervasius, Kewenig-St. Matthias und Consbrück-Zewen. Die Festrede des Herrn Definitors Diel-Ruwer klang aus in ein Lob auf die Schönheit des neuen Gotteshauses.

So war aus den Trümmern der Prachtvilla eines reichen heidnischen Römers neues Leben erstanden in Gestalt einer Kirche, auf der das Kreuz, das Wahrzeichen der Erlösung, siegverkündend gen Himmel deutet.

Quelle: Eurener Chronik, Band II. / Heft 11., Seite 41-42, August 1926.


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